Was Führungskräfte darüber wissen sollten

Führung findet nicht im luftleeren Raum statt.
Sie findet in Nervensystemen statt.

Auch im beruflichen Kontext reagieren Menschen nicht primär rational, sondern neurobiologisch sinnvoll. Ein kritischer Blick, eine Bemerkung im Meeting, eine unerwartete E-Mail – und schon kann ein innerer Alarm ausgelöst werden. Denn jeder von uns sitzt mit seiner eigenen Geschichte am Arbeitsplatz, mit den eigenen Themen, Fragen und Unsicherheiten.

 

 

Was neurobiologisch im passiert

Trifft ein Reiz auf Unsicherheit oder Bewertung, wird er zunächst über das limbische System verarbeitet. Die Amygdala prüft unbewusst: Gefahr oder keine Gefahr?

Wird eine potenzielle Bedrohung angenommen – etwa sozialer Ausschluss, Kontrollverlust oder Bewertung – aktiviert das Gehirn das autonome Nervensystem. Der Sympathikus fährt hoch, Stresshormone werden ausgeschüttet.

Der präfrontale Kortex, zuständig für:

  • Überblick
  • Abwägung
  • Perspektivwechsel
  • konstruktive Kommunikation

ist in diesen Momenten eingeschränkt verfügbar.

 

Das Ergebnis im Arbeitsalltag:

  • Menschen reagieren defensiv oder überangepasst
  • Feedback wird als Angriff erlebt
  • Entscheidungen werden vermieden oder überhastet getroffen
  • Konflikte eskalieren schneller als nötig

Nicht aus mangelnder Kompetenz.
Sondern aus neurobiologischer Logik.

Was das für Führung konkret heißt

1. Emotionale Reaktionen sind kein Widerstand

Sie sind oft ein Zeichen von Überforderung des Systems.

Wer in Alarm ist, kann nicht gut denken.
Wer sich unsicher fühlt, kann nicht kreativ sein.
Wer bewertet wird, verliert Handlungsspielraum.

2. Sicherheit ist eine Führungsaufgabe

Psychologische Sicherheit ist kein „Soft Skill“, sondern die Voraussetzung dafür, dass der präfrontale Kortex online bleibt.

Das bedeutet:

  • Klarheit vor Tempo
  • Einordnung vor Bewertung
  • Beziehung vor Lösung

3. Selbstführung geht vor Mitarbeiterführung

Führungskräfte, die ihre eigenen Stressreaktionen kennen, können:

  • Gespräche besser halten
  • Konflikte deeskalieren
  • Entscheidungen ruhiger treffen

Wer den eigenen Teufelskreis erkennt, erkennt ihn auch bei anderen.

Drei praxisnahe Impulse für Führungskräfte

1. Tempo bewusst reduzieren

Ein kurzer Moment der Pause kann aus neurobiologischer Sicht entscheidend sein.
Nicht alles braucht sofort eine Antwort.

2. Körperreaktionen ernst nehmen

Spannung, Unruhe oder Druck sind frühe Signale.
Wer sie wahrnimmt, kann regulieren, bevor es kippt.

3. Verhalten bewusst klein halten

Ein Glas Wasser.
Ein paar Schritte gehen.
Ein Satz weniger sagen.

Kleine Interventionen haben oft große Wirkung.

Führung bedeutet nicht, alles zu kontrollieren

Führung bedeutet, Räume zu schaffen, in denen Denken wieder möglich ist.
Bei sich selbst.
Und bei anderen.

Nicht jeder innere Alarm lässt sich vermeiden.
Aber viele lassen sich früher erkennen – und anders beantworten.

Einordnung

Diese Perspektive ersetzt keine therapeutische Arbeit.
Sie erweitert jedoch den Blick auf Führung – weg von reiner Leistung, hin zu tragfähiger Selbst- und Beziehungsführung.

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